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Ein Agent im Ingenieurbüro: die vier Fehler, die zählen

8 Min.

Agenten ziehen gerade in Planungs- und Prüfsoftware ein. Wie eine Prüfaufgabe für einen Standsicherheitsnachweis aussieht, welche vier Fehler dabei wirklich teuer werden — und warum ein hoher Wert auf einem allgemeinen Benchmark hier nichts bedeutet.

In Planungs- und Prüfsoftware entstehen gerade Funktionen, die vor drei Jahren undenkbar waren: Ein Assistent liest ein Modell, zieht Mengen, füllt Nachweise vor, gleicht gegen Normen ab, schreibt einen Erläuterungsbericht. Für die Anwender ist das ein enormer Zeitgewinn — solange das Ergebnis stimmt.

Die Frage, die im Haus des Softwareanbieters gestellt wird, lautet deshalb nicht: Kann das Modell rechnen? Sie lautet: Können wir das ausliefern, und was sagen wir, wenn ein Prüfingenieur es zerlegt?

Warum allgemeine Werte hier nichts sagen

Ein Modell, das auf einem naturwissenschaftlichen Wissenstest über neunzig Prozent erreicht, hat dabei ausschließlich Antwortmöglichkeiten angekreuzt. Es hat keinen Nachweis geführt, keine Norm ausgewählt, keinen maßgebenden Lastfall bestimmt und für nichts davon geradegestanden.

Der Tragwerksnachweis ist eine mehrschrittige Aufgabe mit Weichenstellungen. Wer an der ersten Weiche falsch abbiegt, rechnet danach völlig korrekt am Ziel vorbei — und das Zwischenergebnis sieht dabei jederzeit plausibel aus.

Wie eine Prüfaufgabe aussieht

Eine Aufgabe besteht aus vier Teilen. Ein Sachverhalt beschreibt das System vollständig: Bauteil, Stützweiten, Auflagerung, Einwirkungen, Baustoff, Expositionsklasse, Nutzungsdauer. Alles, was zur Entscheidung nötig ist, steht darin — und einiges, was danach aussieht und es nicht ist.

Eine Frage legt fest, was genau zu liefern ist. Eine Musterlösung führt den Nachweis so, wie man ihn einem Kollegen erklären würde, mit Verweis auf Norm, Abschnitt und Ausgabestand. Und eine Prüfliste zerlegt diese Lösung in einzelne Aussagen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen.

Alles, was zur Entscheidung nötig ist, steht im Sachverhalt — und einiges, was danach aussieht und es nicht ist.

Welche Kriterien kritisch sind

Von zehn bis fünfzehn Kriterien werden zwei bis drei als kritisch markiert. Maßstab ist nicht die fachliche Feinheit, sondern die Folge: Was würde real dazu führen, dass ein Nachweis nicht anerkannt wird?

  • Der maßgebende Lastfall ist richtig bestimmt. Wird der falsche zugrunde gelegt, ist jede Folgerechnung wertlos, egal wie sauber sie ist.
  • Der Endwert der Tragfähigkeit stimmt, mit Zahl und Einheit im Kriterium — nicht „ermittelt zutreffend“.
  • Die Sicherheitsbeiwerte entsprechen dem nationalen Anhang, nicht der Grundfassung der Norm.

Nicht kritisch sind dagegen Dinge wie die Gliederung des Berichts oder die Frage, ob ein an sich richtiger Zwischenschritt über den einen oder den anderen vertretbaren Weg hergeleitet wurde. Wer dort streng wird, misst Geschmack.

Die vier Fehler, die man in dieser Domäne sieht

  • Richtige Formel, falscher nationaler Anhang. Das Ergebnis ist um wenige Prozent daneben und sieht dadurch besonders glaubwürdig aus.
  • Korrekte Rechnung am nicht maßgebenden Lastfall. Der Nachweis ist in sich schlüssig und beantwortet die falsche Frage.
  • Veralteter Ausgabestand. Die Norm wurde zurückgezogen oder geändert, die Herleitung stammt aus der alten Fassung.
  • Zahl ohne Herkunft. Der Wert stimmt sogar, aber es steht nirgends, woraus er folgt — und damit ist er für die Prüfung unbrauchbar.

Warum der letzte Punkt der teuerste ist

Am Ende der Kette steht jemand, der unterschreibt. Kann diese Person einen Wert nicht nachvollziehen, rechnet sie ihn nach. Und wenn sie ihn nachrechnet, hat der Assistent nichts gespart — er hat nur eine Zwischenstufe eingezogen, die zusätzlich geprüft werden muss.

Ein Agent wird in diesem Feld also nicht daran gemessen, wie oft er richtig liegt, sondern daran, wie oft sein Ergebnis ohne Nacharbeit weiterverwendet werden kann. Das sind zwei sehr verschiedene Quoten.

Was eine Messung dafür liefern muss

Drei Dinge, damit sie im Haus des Anbieters etwas wert ist:

  • Getrennte Werte für „wie viel war richtig“ und „ist es verwendbar“. Nur die zweite Zahl beantwortet die Auslieferungsfrage.
  • Eine Auswertung nach Fehlerart, nicht nur nach Gesamtwert. Ob die Ausfälle bei der Normauswahl, beim Lastfall oder in der Herleitung liegen, führt zu völlig verschiedenen Maßnahmen.
  • Denselben Katalog beim nächsten Versionsstand. Sonst weiß nach dem Modellwechsel niemand, ob es besser geworden ist oder nur anders.

Der Aufwand dafür ist überschaubar, wenn man mit einer einzelnen Aufgabe beginnt. Der Ertrag ist eine Aussage, die man einem Kunden und einer Aufsicht gegenüber vertreten kann — statt einer Prozentzahl, die im ersten kritischen Gespräch zerfällt.

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